Nachruf auf Heidi Hetzer: Ein Leben ohne Bremse

  • Als wir uns vor über 20 Jahren kennen lernten, lag Heidi Hetzer im Bett. Frisch zusammengeflickt nach einem schweren Rallye-Unfall. Aber statt wie jedes normale Unfallopfer über den eigenen Zustand zu klagen und die nächsten Schritte der Gesundwerdung zu planen, erklärte sie mir, bei welchen Rallyes sie demnächst starten werde. Gegen den ausdrücklichen Rat von Freunden. Sie hatte immer Pläne. Auch als sie am Dienstag vor Ostern von einem Freund am Flughafen abgeholt wurde, mit dem sie sich dann am Mittwoch noch einmal bei bester Laune traf. Er beschreibt seinen Eindruck von ihr so: „richtig fit“ und „gut drauf“. Heidi Hetzer kam aus Afrika, wo sie gerade den ersten Teil ihrer großen Rundreise absolviert hatte, mit dem sie den Kontinent besser kennenlernen wollte. Im November sollte es für die Fortsetzung zurück nach Afrika gehen. Auch der Überfall am 1. April in Kapstadt, bei dem ihr ein Tablet-Computer und ihre Bauchtasche mit dem Mobiltelefon und Geldkarten geraubt wurden, konnte die Berliner Seniorin nicht erschüttern. Sie hatte sogar selbst die Verfolgung der Räuber aufgenommen und mit Helfern vor Ort eine Suche nach ihnen organisiert. Aufgeben war einfach nicht ihr Stil. „Geht nicht, gibt‘s nicht“ Wer Heidi Hetzer kannte, der hörte immer wieder ihren Leitspruch „geht nicht, gibt‘s nicht“, der ihren Mitarbeitern häufig den Schweiß auf die Stirn trieb und die Unternehmerin bei Kunden beliebt machte. 1969 hatte sie die Leitung des väterlichen Betriebs, der Firma Opel-Hetzer, übernommen. Da waren ihr Vater und ihre ältere Schwester gerade gestorben und die 31-Jährige fühlte sich in der Verantwortung, die Autohäuser am Laufen zu halten. Obwohl sie sich damit eine Last von vier Millionen D-Mark Schulden aufbürdete. Mit 21 hatte Heidi Hetzer sich zum ersten Mal als Unternehmerin versucht. Sie borgte Geld für ihre eigene kleine Autovermietung, mit der sie bald pleitegehen sollte - allerdings ausdrücklich keines von ihrem Vater: „Ich wollte nicht Vatis Tochter sein.“ Was sich ausdrücklich nicht gegen ihn richtete („Ich hatte einen tollen Vater.“), sondern Ausdruck ihres Willens war, alles selbst zu schaffen. Aus Verantwortung für die Mitarbeiter leitete die Unternehmerin das vom Vater ererbte Geschäft bis zum Verkauf im Jahr 2012. Ihre Kinder hatten kein Interesse, den Laden zu übernehmen. Da sie selbst erlebt hatte, was für ein Klotz am Bein so eine Firma sein kann, nahm sie das ihrer Tochter Marla und dem Sohn Dylan nicht übel. Als die Firma verkauft und die Mitarbeiter versorgt waren, konnte Heidi Hetzer sich endlich einen Wunsch erfüllen, den sie seit vielen Jahren mit sich herumgetragen hatte: Eine Reise rund um die Welt in einem Oldtimer. Das Vorbild dafür fand sie in Clärenore Stinnes, die 1927 bis 1929 in einem Automobil die Erde umrundete. Zunächst hatte die abenteuerlustige Berlinerin gefragt, ob sie deren „Erbe einfach so verballern darf“ - sie durfte. Am 27. Juli 2014 startete Heidi Hetzer also in ihrem Hudson Greater Eight aus dem Jahr 1930, den sie zärtlich Hudo nannte. Anfangs noch mit einem Beifahrer, der ihr aber bald abhanden kam. Wie auch sein Vorgänger und Nachfolger. Es...

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